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Band 6

Stammen, Theo (Hrsg.)
Kant als politischer Schriftsteller

1999. 228 Seiten – 155 x 225 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-933563-20-0

 

29,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-933563-20-0  

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Fünfzehnmal meldete sich Immanuel Kant zwischen 1784 und 1796 in der Berlinischen Monatsschrift öffentlich zu Wort. Es ging darum, was Geschichte, Fortschritt und Aufklärung seien, wohin die französische Revolution führe, wie die europäischen Staaten nach den Koalitionskriegen friedlich geordnet werden könnten. Kant reagierte auf Vorredner, erhob Einspruch, konstatierte Widersprüche, unterbreitete eigene Vorschläge. So entstanden seine "kleinen" politischen Schriften, welche die Forschung gerne als "populär" charakterisiert, als handele es sich um allgemeinverständliche, vereinfachte Darlegungen der "eigentlichen", nämlich systematischen Philosophie des Königsbergers. Gegen diese weitverbreitete Einschätzung schlagen die in diesem Band versammelten Beiträge eine alternative Sichtweise vor. Die Aufsätze werden als eigenständige Reflexionen über die Voraussetzungen, Bedingungen und Verfahren politischer Urteilsbildung und Entscheidungsfindung interpretiert, die Wege zum Feld des Politischen eröffnen, welche mit den Pfaden der Staats-, Rechts- und Moralphilosophie keineswegs identisch sind. Auf ihnen begegnet der Leser nicht dem betrachtenden Philosophen, sondern dem politischen Schriftsteller Immanuel Kant.
Die vorgeschlagenen Lesarten beruhen auf der Annahme, daß die Wahl eines Kommunikationsmediums und einer literarischen Gattung je spezifische blickleitende Erkenntnisbedingungen konstituiert. Wenn sich Kant auf die intellektuellen Diskurse seiner Zeit in der Berlinischen Monatsschrift einläßt, argumentiert er nicht vom Standpunkt apodiktischer Erkenntnis. Stattdessen nimmt er Argumentationsfäden auf, knüpft sie weiter und reflektiert gleichzeitig über das, was diese im Entstehen begriffene bürgerliche Öffentlichkeit auszeichnet: die Fähigkeit zum diskursiven, zum "erweiterten Denken". In öffentlichen Debatten gelten andere Regeln als im privaten Denken und im streng epistermischen Schreiben. Die Befreiung von Vorurteilen ist zu wenig, der Drang nach absoluter Konsequenz zu viel für die Beratung der allen gemeinsamen Angelegenheiten. Zu dieser Einsicht ist Kant in der Kritik der Urteilskraft im Bereich des Schönen gelangt - in den kleinen politischen Schriften überträgt er sie auf den des Politischen.